Joseph Albers

 

1888 – 1976 FUGE, 1925

„ Die Fuge weist eine sehr deutliche Parallele zu einer fundamentalen Struktur der klassischen Musik auf. In ihrer vertikalen, statischen Anordnung der Stäbe und genauen Wiederholung des gleichen Breiten- oder besser Höhenmaßes der Horizontalstreifen schlägt sie zunächst den Takt (als Zeitmaß des Metronoms) an. Zweitens führt sie Rhythmus vor: in dem Wechsel von verbundenen und getrennten Vertikal-Kolumnen inmitten einer Horizontal-Bewegung durch Veränderung der Betonung und Geschwindigkeit. Was die Instrumentierung angeht, so besteht sie aus drei kontrastierenden Stimmen, Weiß und Schwarz auf dem hellroten Grund, der nicht nur die ersten beiden Stimmen trägt, sondern zugleich an ihrer vertikalen und horizontalen Interaktion teilnimmt. Analog zur akustischen Klangmischung in der Musik erzeugt sie in der Wahrnehmung eine Vielfalt von Nuancen der drei Farben: verschiedenartige Weißtöne (hell, dunkler, rötlich oder bläulich), auch unterschiedliche Schwarztöne (dichter und lockerer, schwerer, heller und blautöniger) und ebenso mehrere Tönungen in Rot.“ (Albers, 1964)